Was ist mit „Achtsamkeit“ gemeint ?

Der Begriff „ Achtsamkeit“ kann im Deutschen leicht missverstanden werden. Er ist die Übersetzung aus dem altindischen Pali-Wort „Sati“, was auch mit Begriffen wie „Gewahrsein“, „Bemerken“, „inneres Augenmerk“, aber auch „Erinnern“, oder „Sich vergegenwärtigen“ übersetzt werden kann. Es meint damit also weniger das Gegenteil von „Unachtsamkeit“ wie man annehmen könnte, sondern von „Automatismus“ mit unbewusstem Handeln und Reagieren.  

Somit ist hier ein klares und nicht wertendes Gewahrsein dessen gemeint, was in jedem Augenblick in unserem Erleben geschieht. Durch geleitete Übungen lernen die Teilnehmer/innen, Atmung, Körperempfindungen, Gedanken und Gefühle wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten.

Durch dieses offene und annehmende Interesse an der unmittelbaren Erfahrung des Augenblicks gewinnen wir ein tieferes Verständnis für die Zusammenhänge unseres Erlebens und zunehmend mehr Einsicht in unsere gewohnheitsmäßigen Verhaltensweisen, Muster und unhinterfragten Überzeugungen, durch die sich häufig vor allem schwierige und schmerzhafte Situationen noch verschlimmern.

Kultivierung von Achtsamkeit befähigt uns somit, den inneren und äußeren Schwierigkeiten mit mehr innerer Klarheit, Akzeptanz und Gelassenheit zu begegnen. Sie führt zu einer umfassenderen Sichtweise, die uns neue, sinnvollere und oft auch freundlichere Handlungsmöglichkeiten eröffnen kann.

Achtsamkeit ist aber auch deshalb für uns von unschätzbarem Wert, weil sie uns die Kostbarkeit des gegenwärtigen Augenblickes bewusst werden lässt, unabhängig davon, ob wir gerade eine angenehme oder eine schwierige Erfahrung machen. Sie erlaubt uns, mit größerer Intensität und Freude zu leben und bringt uns in tiefen Kontakt mit inneren Kräften, die es uns ermöglichen, zu lernen, zu wachsen und zu heilen.

Achtsamkeit und die Übungen von Achtsamkeit sind insofern keine Tätigkeit oder Technik, sondern sie kann mit zunehmender Übung und Kontinuität zu einer Seinsweise werden, die unser gesamtes Leben in einen tieferen, umfassenderen und lebendigeren Kontext stellt. 

 

 

Programm

Das Kursrprogramm und seine Inhalte

Der Kurs umfasst jeweils ein unverbindliches persönliches Vorgespräch zum Kennenlernen und zur Abklärung der Anliegen und der Eignung. Diese Vorgespräche finden in Präsenz an meinem Wohnort oder über ZOOM statt. Nach Ende des Kurses kann zur Evaluation und Klärung weiteren Vorgehens auf Wunsch ein Nachgespräch stattfinden

Der Zeitrahmen umfasst 8 Gruppensitzungen pro 2,5 Stunden und einen Übungstag in überwiegender Stille von ca. 6 Stunden an einem Wochenendtag.

Als Übungsmaterial erhalten die Teilnehmer ein umfangreiches Arbeitsheft, das noch nach Kursende das Erinnern und Wiederaufgreifen unterstützt. Auch Audioaufnahmen der wichtigsten Anleitungen erhalten die TN auf Wunsch in hardware (CD oder USB) oder zum Download auf dem internen Bereich der website, um nach Ende des Kurses darauf zurückgreifen zu können.

Jede Gruppensitzung besteht aus formalen angeleiteten Achtsamkeitsübungen im Liegen, Sitzen, Gehen oder in sanften Bewegungs- und Dehnungsübungen. Die Teilnehmer haben so die Möglichkeit, aus einem breiten Spektrum möglicher Übungen die für sich kennenzulernen, die ihrem Temperament am ehesten entsprechen, um sich nach Ende des Kurses selbständig daran zu orientieren.    

Die Eindrücke und Erfahrungen während der formalen Übungen an den Gruppenabenden und zuhause können in der Gruppe nach Wunsch geteilt und gemeinsam erforscht werden. Die Gruppe und die Kursleitung bieten dafür einen spiegelnden Resonanzraum von Respekt und Offenheit und sichern Vertraulichkeit zu. Die Haltung von echtem Interesse kann auf diese Weise verinnerlicht werden und so die Beziehung zur eigenen Erfahrung in Richtung Akzeptanz und Freundlichkeit positiv beeinflussen.

Die Gruppensitzungen haben bestimmte Schwerpunkte zum Thema, die durch individuelle Beispiele anhand von Alltagsbeobachtungen vorbereitet  und durch kurze Impulsvorträge verdeutlicht werden. Diese Themen sind beispielsweise:

  • wie Stress von Sichtweisen und verinnerlichten Verhaltensmustern beeinflusst wird,
  • Wie wir auf angenehme oder unangenehme Erfahrungen automatisch reagieren
  • Wie Gedanken unser Erleben beeinflussen
  • Umgang mit schwierigen Emotionen
  • Wie wir mehr Freundlichkeit und Akzeptanz im Leben kultivieren können
  • Umgang mit zwischenmenschlichen Konflikten

Tägliches Üben von 30-45 Min. zuhause, ist ein wesentlicher Bestandteil und Grundlage des Kurses. Ohne ausreichende eigene Erfahrungen mit den Übungen bleiben die Inhalte sonst nur Ideal und Theorie. Es geht dabei nicht um Selbstoptimierung wie vielleicht beim Sport, sondern um die Fähigkeit, erkennen und unterscheiden zu lernen, was Stress und Leid verstärkt und was davon heilt.  Dabei bleiben die Teilnehmer ganz in ihrer Eigenverantwortung.

Der Kurs ist nicht als Ersatz für medizinische oder therapeutische Behandlung geeignet, er kann diese jedoch wunderbar ergänzen und unterstützen.

 

 

Literaturempfehlungen

MBSR:

Kabat-Zinn, JonGesund durch Meditation, O.W.Barth Verlag 1994 PaperbackDas Grundlagenbuch. Es sind darin die wesentlichen Themen des von Jon Kabat-Zinn entwickelten MBSR-Programmes zu lesen. Im Originaltitel heißt es zutreffender „Full Catastrophe Living“

Im Alltag Ruhe finden, Herder Verlag 1998, Taschenbuch.

Ein dünnes Taschenbuch zum Einstieg in das Thema

Zur Besinnung kommen, Arbor Verlag 2005 gebunden. Ein umfangreiches Buch, das die buddhistischen Hintergründe stärker betont und sich drängender auf die Notwendigkeit bezieht, in dieser „aus den Fugen geratenen Welt“ zur Besinnung zu kommen. Es macht auch deutlich, dass es bei Achtsamkeit um mehr geht als um Stressbewältigung.

Kabat-Zinn, Jon und Kesper-Grossman, Ulrike:

     Stressbewältigung durch Achtsamkeit, Booklet und CD mit Bodyscan

     Die heilende Kraft der Achtsamkeit, Büchlein u. 2 CDs, Arbor Verlag

Zwei CDs mit geführten Meditationen: Eine „Seemeditation“, die im Liegen durchgeführt werden kann und eine „Bergmeditation“. Diese metaphorischen Bilder begünstigen eine innere Haltung von tiefer Ruhe und Unerschütterlichkeit bei gleichzeitiger Weite. Auf der zweiten CD vier Sitzmeditationen, eine längere und eine kürzere mit Anleitung und zwei ohne jeden Text, nur mit Gong am Ende, um eine eigene innere Struktur zu beginnen.

Kabat-Zinn, Jon u. Myla: Mit Kindern wachsen, Arbor Verlag1998

Die Praxis der Achtsamkeit in der Familie.

Brantley, Jeffrey: Der Angst den Schrecken nehmen, Arbor, 2006

Das Achtsamkeitstrainig in Bezug auf Angst- u. Panikstörungen.

Santorelli Saki: Zerbrochen und doch ganz, Arbor 2000

Der ehemalige Direktor des „Center for Mindfulness“ in Massachusetts berichtet über seine Arbeit in den Gruppen und die Herausforderung für ihn als Lehrenden, die Achtsamkeit, die er vermitteln will, selbst zu verkörpern. Ein Buch vor allem für jene, die im Gesundheitswesen tätig sind und sich fragen, was in ihrer Tätigkeit das eigentlich Heilende sein kann. Sehr bildhaft und poetisch.

Kornfield, Jack: Meditation für Anfänger, Büchlein mit CD, Goldmann, ARKANA

Der bekannteste Meditationslehrer des Westens, ein ehemaliger buddhistischer Mönch der Theravada-Tradition hat die wesentlichsten Elemente für den Einstieg in eine tägliche Meditationspraxis beschrieben. Sechs angeleitete Meditationen auf CD sind von einer Männerstimme gesprochen. (jeweils 10 – 15 Minuten)

Salzberg, Sharon: Metta Meditation, Arbor Verlag, 3. Auflage 2009

„Buddhas revolutionärer Weg zum Glück“, wie das Buch auch im Untertitel benannt ist, erklärt und beschreibt anschaulich die Schritte der Metta-Meditation und enthält viele Übungen dazu. Die langjährige persönliche Erfahrung der Autorin mit dieser Praxis ist im gesamten Buch spürbar.

Germer, Christopher:  Der achtsame Weg zur Selbstliebe, Arbor Verlag, 4.Aufl. 2013

Untertitel: wie man sich von destruktiven Gedanken und Gefühlen befreit. Für alle, die die Tendenz haben, mit sich selbst kritisch zu sein, wenn die Dinge nicht so laufen, wie wir es gerne hätten.  

Burch, Vidyamala: Gut leben trotz Schmerz und Krankheit, Goldmann, Arkana,2009

Untertitel: Der achtsame Weg, sich von Leid zu befreien. V.Burch ist selbst von chronischem Schmerz betroffen und legt detailliert dar, was der Unterschied macht zwischen auf Schmerz reagieren und auf ihn „antworten“, also den legendären „2. Pfeil“ der mentalen Reaktion nicht abzuschießen.

Ch. Stocker, J.Willms, F.Koster, E.v.d.Brink: Mitgefühl üben, Springer, 2020 mit e-book für Übungsanleitungen.

Das Buch beinhaltet die deutschsprachige Version von MBCL (Mindfulness Based Compassionate Living), das von Frits Koster, einem ehemaligen buddh. Mönch und Eric v.d. Brink, einem niederländischen Psychiater entwickelt wurde. Es ist als Aufbaukurs zu MBSR konzipiert als eine Synthese aus buddhistischer Psychologie und westlichen Konzepten aus Neurologie, Schematherapie und Traumatherapie. Es enthält viel klärendes Hintergrundwissen und spezifische Anleitungen zum freundlichen und mitfühlenden Umgang mit Widerstand, Verlangen, Mustern und schwierigen Beziehungen. Übende lernen, eine weitere Perspektive über Selbstmitgefühl hinaus zu entwickeln.